Mozarts Requiem im Aachener Dom
Aus: AACHENER ZEITUNG/NACHRICHTEN - Kulturredaktion
Frau ROTHER oder Vertreter
BENEFIZKONZERT ZUR ERHALTUNG DES AACHENER DOMS
EIN REQUIEM FÜR MOZART
Musikal. Leitung: STEFFEN SCHREYER
Aufführungsdatum: 12.11.2006, Hoher Dom zu Aachen
Von unserem Mitarbeiter Pedro Obiera
Aachen. Das 21. Benefizkonzert zur Erhaltung des Aachener Doms kommt nicht nur den dringend reinigungsbedürftigen Mosaiken des Gotteshauses zu gute. Hinter dem etwas rätselhaften Motto des Abends, „Ein Requiem für Mozart“, verbarg sich einer der schönsten und gehaltvollsten Beiträge zum Mozart-Jahr weit und breit. Bereits die Programmzusammenstellung zeugt von hohem Reflektionsniveau, sensiblem Einfühlungsvermögen und musikhistorischem Sachverstand. Hier hat Steffen Schreyer, Professor am Gregorius Haus, ganze Arbeit geleistet und Mozarts „Requiem“ in einen Kontext gestellt, der ebenso zu Herzen wie unter die Haut ging. Schreyer stellte dabei die von Mozart vollständig erhaltenen oder zumindest fragmentarisch hinterlassenen Teile der Totenmesse in den Mittelpunkt, verzichtete also auf Sanctus, Benedictus und Agnus Dei und nutzte erfreulicherweise so weit wie möglich die von Mozarts Schüler Joseph Eybler begonnene, aber nicht fertig gestellte Fassung, die in ihrer instrumentalen Gestaltung Mozarts Handschrift näher kommt als die berühmtere Süßmayr-Version.
Eingebettet wurden die Mozart-Reliquien in einen klug disponierten, symmetrisch angelegten Rahmen, der jeweils von schlichten Totenglocken über ein gregorianisches Antiphon, eine gemäßigt moderne Komposition und ein kleineres Meisterwerk Mozart zum „Requiem“ hin und nach dem „Hostias“ wieder weg führte. Bevor das Programm mit Mozarts Motette „Ave verum corpus“ schloss, durfte man sich auch an Mozarts viel zu selten zu hörender „Maurerischen Trauermusik“ erfreuen, deren dunkel schattierte Farbigkeit sich im weiten Dom leider etwas verlor.
Die schwedischen Komponisten Ingvar Lindholm und Thomas Jennevelt sorgten mit zwei großen Gesängen für zeitgenössische Kontraste zum Kernprogramm, der Schauspieler Karsten Meyer trug Auszüge aus Mozart-Briefen und der Offenbarung des Johannes vor, die Schola Cantorum St. Foillan unter Leitung von Marco Fühner setzte mit zwei gregorianischen Chorälen archaische Akzente.
Durch die Vielfalt der Mitwirkenden aus nah und fern unterstrich auch dieses Konzert das Interesse vieler Aachener und Nicht-Aachener Künstler am Erhalt des bedeutenden Bauwerks. Von den Besuchern, darunter der Erzbischof von Budapest, ganz zu schweigen, die den Dom bis auf den letzten Platz füllten.
Mit den von Steffen Schreyer professionell geschulten und stilsicher geführten „Internationalen Vokalsolisten“ und dem „Orchester der Kölner Kammermusiker“ entsprach auch das musikalische Niveau dem erstklassigen Standard des bewegenden Abends. Dass sich das Solistenquartett nicht ganz augeglichen präsentierte, trübte den glänzenden Gesamteindruck nur wenig.
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